


Burg Cleeberg
Ein Bergfried gibt Rätsel auf
Der kleine im Hintertaunus gelegene Ort Cleeberg gehört zur Gemeinde Langgöns und stellt wohl eher weniger den typischen Touristenhotspot im Taunus dar. Und doch lohnt es sich, einen Abstecher, zum Beispiel für eine der ausgewiesenen Wandertouren, hierher einzuplanen. Denn nicht nur die umgebenden Taunuslandschaft hat ihren Reiz, sondern auch der kleine Ort hat mit der Namensgebenden Burg Cleeberg eine Sehenswürdigkeit zu bieten.
Historischer Abriss
Errichtet wurde die Burganlage auf den Resten eines römischen Kastells, um den Handelsweg zum Taunus zu sichern. Eine eindeutige Entstehungszeit der Burganlage ist nicht gesichert, eine erste schriftliche Erwähnung findet sich 1129, die erste urkundliche Erwähnung des Bergfrieds ist auf das Jahr 1263 datiert. Die Herrschaft Cleeberg befand sich zu dieser Zeit im Besitz der Herren von Gleiberg, die gleichzeitig die Vögte von Limburg stellten. Die aus Niederösterreich stammenden Linie der Pfalzgrafen von Pfeilstein erhielten die Burg durch Erbschaft und nannten sich von nun von Cleeberg und Mörle. Nachdem im Jahre 1219 der letzte Vertreter der Cleeberger verstarb, ging die Grafschaft durch Heirat sowie Erbschaft in den Besitz des Hauses Isenburg über. In den folgenden Jahren wurde die Anlage unter den Adelsfamilien Eppstein, Isenburg-Limburg und Nassau zur Ganerbenburg, die im Jahr 1404 einen Burgfrieden errichteten. Zwar wurde Burg Cleeberg im Dreißigjährigen Krieg mehrfach eingenommen und geplündert, einer Zerstörung fiel sie jedoch nie zum Opfer. Ab 1716 teilten sich Nassau mit einem Drittel und Hessen-Darmstadt mit zwei Dritteln den Besitz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fiel die Burg an Nassau-Usingen, später gehörte sie zum Herzogtum Nassau bis sie 1866 in den Besitz der Preußen überging. Der Zeitpunkt, als der Zerfall begann, lässt sich heute nicht mehr genau datieren. Das Interesse der Preußen an der Burg war vermutlich gering, so dass der Verfall wohl zu dieser Zeit einsetzte. Im Jahr 1843 erwarb die Gemeinde Cleeberg das Ensemble und richte in einem Nebengebäude aus dem 18. Jahrhundert eine Schule ein. Seit 1966 ist sie in Privathand mit unterschiedlicher Nutzung. Nach einer umfassenden Entkernung beherbergte die Burg einen Hotelbetrieb, der allerdings 1979 bereits wieder aufgegeben wurde. Durch eine weitere Renovierungsmaßnahme konnten Eigentumswohnungen entstehen, die bis heute Bestand haben. Die Anlage ist vor Ort als Privatbesitz gekennzeichnet und kann nicht besichtigt werden.
Beschreibung der Anlage
Bemerkenswert ist der heute mit knapp 21 Metern Höhe nur noch etwa halb so hohe Bergfried aufgrund seiner ungewöhnlichen Form. Die Grundform entspricht einem Viereck, dem ein Halbkreis vorangesetzt wurde. Eine Form des Bergfrieds, die eher selten vorkommt, allerdings nicht als Cleeberger Alleinstellungsmerkmal gelten darf. Der Bergfried der nur etwa 20 Kilometer entfernten Burg Kransberg im gleichnamigen Stadtteil von Usingen weist einen ähnlichen Grundriss auf, allerdings unterscheiden sie sich in der Orientierung im Gelände.
Außergewöhnlich ist vor allem die Ausrichtung dieser abgerundeten Seite zum Burghof und nicht zur Angriffsseite hin. Runde Mauern bieten bei einem Angriff den Einwirkungen von außen den größten Widerstand und zeigen für feindliche Geschosse eine möglichst ungünstige Form. Dieser Vorteil einer runden Mauerseite ergibt sich jedoch nur, wenn diese Seite auch der Angriffsseite entgegnen steht, was beim Bergfried der Burg Cleeberg offensichtlich nicht der Fall ist. Warum die Ausrichtung des Turmes so gewählt wurde, bleibt bis heute ungeklärt. Eine Erklärung zugunsten der ungewöhnlichen Einschätzung, ein möglicher Angriff ginge nicht von der Dorfseite, sondern aus Richtung Tal aus, wird heute nicht mehr als sinnvoll eigeschätzt.
Ein Rückbau des ehemals etwa 33 Meter hohen Turms mit weiteren 10 Meter hohen Aufbauten (Wächterhaus, Glockenturm, Dachreiter und Wetterfahne) wurde 1855 um 7 Meter durchgeführt, weitere 5 Meter folgten im Jahr 1882. Die abgetragenen Steine wurde zum Auffüllen des Halsgrabens verwendet. Dieser trennte die Burg vom Hang und wird heute von der Straße ersetzt. Der Bergfried hat einen Umfang von 36 Metern mit einer Mauerstärke von 3,50 Metern im unteren Bereich. Dort befand sich das Verlies, das nur über einen Seilkorb zugänglich war.
Neben dem außergewöhnlichen Bergfried sind noch Teile der Ringmauer mit Turmresten und ein Wohnbau erhalten geblieben. Der dreigeschossige Wohnbau bildet mit abgerundeter Außenmauer die Westspitze der Anlage und besitzt ein Türmchen. Da es an diesem Bau mehrfache Änderungen gab, ist eine genaue Datierung nicht möglich. Das Gebäude gehört aber wohl zur älteren Bausubstanz. Ein weiterer Bau an der Nordseite der Ringmauer stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert, als die Burg zwischen Hessen-Darmstadt und Nassau geteilt war.
Ready to visit?
- Die Burganlage befindet sich in Privatbesitz und ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
- Von der Straße ist aber ein Blick durch das Tor und auf den Bergfried möglich.
- Bitte respektiert die Hinweise auf Privatgelände!

Öffnungszeiten
Die Burganlage wird bewohnt und befindet sich in Privatbesitz. Sie kann daher nicht besichtigt werden.
Adresse
Burg Cleeberg
Obere Pforte 1
35428 Langgöns-Cleeberg
Parkplätze stehen im Ort zur Verfügung.
Literatur & Quellen
- Biller, Thomas: Burgen im Taunus und im Rheingau. Ein Führer zu Geschichte und Architektur, Regensburg 2008.
- Knappe, Rudolf: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, 2. Auflage Niestetal 1995.
- Luthmer, Ferdinand: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirkes Wiesbaden., Band II: Die Bau- und Kunstdenkmäler des östlichen Taunus. Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1905.
- Maresch, Hans & Maresch, Doris: Hessens Schlösser & Burgen, Husum 2005.
- Müller, Rolf (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990.
- Taunus Club (Hrsg.): Die Burgen und Wehrbauten im Taunus und im unteren Lahngebiet. Band I. Östlicher Taunus und östliches Lahngebiet. Beilage zum Jahresbericht des Taunus Clubs für 1896, Frankfurt am Main 1897.
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