Burg Eppstein

Die geteilte Burg 

Zwischen dem Schwarz- und dem Wellbach erhebt sich im idyllischen Schwarzbachtal eine steile Felskuppe, die seit dem 10. Jahrhundert Standort einer der ältesten Burgen im Taunus ist. 

Historischer Abriss

Burg Eppstein wurde vermutlich 926 als Reichsburg durch den Gaugrafen Eberhard III., kurz „Eppo“ aus dem Geschlecht der Konradiner errichtet, um die Grenze zwischen dem Niddagau im Osten des Schwarzbachtals und dem Königsgut um Wiesbaden zu sichern. Der Gaugraf gilt als Begründer des älteren Geschlechts der Eppsteiner, das mit dem kinderlosen Udalrich III. ausstirbt. Nach dessem Tod wurde eine Hälfte der 1122 erstmalig erwähnte Burg Eppstein Udalrichs III. Cousin, dem Erzbischof Adalbert von Mainz als Reichslehen übertragen, die zweite Hälfte erhielt er von Kaiser Heinrich V. als Eigentum. Nach dem Tod des Erzbischofs kam die Anlage als Lehen bzw. Afterlehen in die Hände des Grafen Gerhard von Nürings, der durch Heirat verwandtschaftlich verbandelt war. Um 1180/90 folgte ein weiterer Besitzerwechsel an die Familie von Hainhausen aus der Nähe von Seligenstadt. Graf Gerhard III. von Hainhausen nannte sich nun Gerhard I. von Eppstein und begründete damit das jüngere Eppsteiner Geschlecht, das seinen lokalen und überregionalen Einfluss bis auf Landesebene ausbauen konnte und im folgenden Jahrhundert fast ausschließlich die Erzbischöfe von Mainz stellte.

Um 1223 erfolgte mit dem Tod seines Sohnes Gottfrieds I. die Teilung der Familie. Eine der beiden Linien starb bereits nach 3 Generationen aus, gelangte aber mit einem Vertreter noch mal in das Amt des Erzbischofs von Mainz, während die andere Linie das Eppsteiner Gebiet um Teile der Grafschaft Wied (1264), der Cleeberger Herrschaft (1264) sowie der Vogtei Schloßborn (1264) erweitern konnte. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Familie in den Stand der freien Herren erhoben und der unterhalb der Burg entstandene Ort erhielt durch König Ludwig den Bayern Stadt- und Befestigungsrechte. Mit dem Tod Gottfrieds IV. im Jahr 1342 büßte die Familie dann ihre politische Bedeutung ein. Etwa hundert Jahre später erfolgte nochmals eine Erbteilung in die beiden Linie Eppstein-Münzenberg und Eppstein-Königstein. Erstere bewohnte die Burg, starb 1522 jedoch aus. Ein Brand in der Mitte des 14. Jahrhunderts zwang die Familie bereits die Hälfte der Burg an den Landgrafen Wilhelm II. von Hessen zu verkaufen, um für die Verschuldung eines Wiederaufbaus aufkommen zu können. Als 13 Jahre später die zweite Linie ebenfalls erlosch, fiel die Burg zunächst an die Grafen von Stolberg. 

Eine unklare Erbfolge ermöglichte es Kurmainz in den Besitz der zweiten Burghälfte zu gelangen und die Stolberger zu verdrängen. Die Burg war nun von einem ständigen Wohnsitz einer einflussreichen Adelsfamilie zum Verwaltungsort des protestantischen Hessen und katholischen Mainz degradiert worden, und verlor maßgeblich an Bedeutung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Burg Eppstein zwar mehrfach besetzt und geplündert, nachhaltige Zerstörungen gab es jedoch nicht. Im Gegenteil, der Mainzer Ostteil wurde sogar bis zur Übergabe an Nassau im Rahmen des Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 gepflegt und in Stand gehalten, während der hessische Teil hingegen jedoch im 17./18. Jahrhundert verfiel und teilweise abgebrochen wurde. Der zeitweilige Leerstand sowie die Einquartierung französischer Soldaten während der Revolutionskriege (1792–1802) taten ihr Übriges. Ein unwiderruflichen Abbruch konnte indessen durch den Kauf des Frankfurter Diplomaten Isaak von Gerning verhindert werden, der die Anlage später (1831) an den Historiker Friedrich Gustav Habel weitergab. In der Literatur lässt sich noch eine weitere Variante finden, nach der ein österreichischer Freiherr die Burg kaufte, weil er sich fälschlicherweise für einen Nachfahren der Eppsteiner hielt.

1869 kam die Burg noch mal in die Familie von Stolberg. Dieses Mal jedoch nicht durch einen Erbgang, sondern aktiv durch den Kauf des Fürsten Otto von Stolberg-Wernigerode, dessen Nachfahren zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ersten Sicherungsarbeiten begannen. Im Jahr 1929 schenkte die Familie Stolberg die Burganlage der Stadt Eppstein, die in den 60er Jahren mit einer aufwendigen Sanierung begann und die Ruine heute der Öffentlichkeit zugänglich macht. 
Bei der Erhaltung der Burg als wichtiges Denkmal im Taunus wird die Stadt Eppstein durch den 1974 gegründeten Burgverein Eppstein e.V. unterstützt, der vor Ort verschiedene Events organisiert und Spenden sammelt. Seit 2018 ist die Eppsteiner Rotte, eine Gruppe begeisterter Mittelalter-Darsteller, auf der Burg beheimatet und lässt beispielsweise zum jährlichen Burgfest im August das Mittelalter kurzzeitig wieder aufleben. 

Beschreibung der Anlage

Durch Bedeutungsverlust, Teilung und Degradierung zum reinen Verwaltungsort ist Burg Eppstein über die Jahrhunderte verfallen und heute nur noch als Ruine vorhanden, obwohl sie nie nachhaltige Zerstörungen erlebt hat. Am auffälligsten ist der markante Bergfried aus dem 14./15. Jahrhundert, der sich über den Dächern der Taunus-Stadt erhebt. Auf einen viereckigen Unterbau folgt ein runder Aufbau, der von einstigen 38 Metern heute noch stattliche 25 Meter misst. Seine einst maximale Höhe erreichte der Turm Mitte des 16. Jahrhunderts als auf eine zuvor aufgestockte Wächterstube ein Wehrgeschoss folgte, und der Turm mit einem etwa 7 Meter hohen Spitzhelm sowie vier Zwerchhäuser vollendet wurde. Dieser Aufbau wurde 1804 wieder zurückgebaut. Die Wächterstube war zugleich Arbeits- als auch Wohnraum des sogenannten Türmers, dessen Aufgabe die Überwachung der Umgebung war. Das Heranrücken feindlicher Truppen, die Ankunft von Besuchern oder entfachte Brände wurden beispielsweise umgehend gemeldet. Ein früher Zugang zum Turm führte in 11 Metern Höhe über den Wehrgang der Mantelmauer. Im 16. Jahrhundert folgte der Einbau eines zweiten Eingangs, der in 15 Metern Höhe über das Dachgeschoss des Palas zugänglich war. Der auch als Untersuchungsgefängnis genutzte Bergfried wurde Anfang der 70er Jahre restauriert, zwischen 2007 und 2011 bauhistorisch untersucht und ist nun für die Besucher begehbar. Heute kann der Bergfried über eine Spindeltreppe erklommen werden, damals wurden Leitern zwischen den Geschossen genutzt. Zwischenzeitlich musste aufgrund herabfallender Steine eine weitere Sicherung erfolgen. Der in der ersten Sanierungsphase verwendete Zementmörtel war Wasserundurchlässig, was zu Schäden am Taunusschiefer führte. Um eine erneute Schädigung langfristig zu verhindern, wurde nun auf einen dem historischen Mörtel ähnelndem wasserdurchlässigen Kalkmörtel zurückgegriffen. 
Wer es bis auf die Aussichtsplattform des Bergfrieds geschafft hat, wird mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Über die Dächer der Eppsteiner Altstadt hinaus kann man bis zum Bergpark Villa Anna schauen, eine historische Parkanlage mit alten exotischen Bäumen und charmanten Bauwerken.

An der Südseite des Bergfrieds liegt der ruinöse Palas mit Fensternischen aus dem 17. Jahrhundert. Das wahrscheinlich um 1500 errichtete Wohngebäude gehörte zum hessischen Teil der Burg. Die Ostseite des Bergfrieds grenzt an ein Treppenhaus, das in das ehemalige Küchengebäude aus dem 15./16. Jahrhundert führte, das später noch mal umgebaut wurde. Im östlichen Teil der Burg liegen die ehemals Kurmainzer Gebäude, die heute noch teilweise erhalten sind. Der Juchhe-Bau aus dem 17. Jahrhundert, ist seit dem 19. Jahrhundert zwar eine Ruine, die frühere Rüstkammer hingegen, die 1600 zur katholischen Kirche umgebaut und 1848 zur Pfarrkirche erhoben wurde, ist heute noch intakt und beheimatet das Heimat- und Burgmuseum. Da die Kirche bis 1903 genutzt wurde, blieb das Gebäude vor einem Abbruch zur Gewinnung von Baumaterial glücklicherweise verschont. 
Die Wasserversorgung der Burgbewohner wurde durch einen 25 Meter tief in den Felsen gehauenen Grundwasserbrunnen gewährleistet, dessen früheres Brunnenhaus jedoch nicht mehr erhalten ist. Für die Notdurft stand ab dem 14./15. Jahrhundert ein kleiner Abortturm zur Verfügung, der zum Beginn des 17. Jahrhunderts nochmals aufgestockt wurde und die Hinterlassenschaften in den Nordzwinger abführte. Die auf mehreren Etagen angelegten Aborte waren über den Palas direkt oder einen Treppenturm aus der Kemenate zugänglich.

Die Gesamtanlage wurde durch einen 12 bis 15 Meter tiefen Halsgraben geschützt, der aus dem Felsen geschlagen wurde. Ursprünglich gelangte man über eine Zugbrücke im Osten in die Burg. Im Spätmittelalter wurde ein weiterer Zugang im Westen, in Richtung Stadt, angelegt, der auch heute noch genutzt wird. Die gewaltige Zwingeranlage mit nach Innen geöffneten Rundtürmen gewährte zusätzlichen Schutz. Der südliche Teil wurde 1618 nochmals so weit verstärkt, dass hier größere Geschütze positioniert werden konnten, die Schutz vor einem Angriff vom gegenüberliegenden Berg bieten sollten. Der Dreißigjährige Krieg enttarnte diese Maßnahme jedoch als wirkungslos. Unter hessischer Verwaltung wurde aus dieser Verteidigungsstruktur ein Garten mit Kräuter- und Blumenbeeten, Obstbäumen und Weinanbau.

Von den ehemals zwei Flankiertürmen im Südosten ist heute nur noch der westliche Rundturm vorhanden. Der sogenannte Bettelbub wurde ab 1711 umgebaut und im Anschluss als Gefängnis mit Verlies genutzt, dem er letztlich seinen Namen verdankt. Zuvor war der runde Turm, der eine sechseckige Haube mit Spitze aufweist, Teil der Sicherung des östlichen Burgzugangs und mit drei großen Schlüsselscharten für Hakenbüchsen ausgestattet. Um den Turmsockel später als Verließ nutzen zu können, wurde die ehemals hölzerne Turmrückseite mit einer massiven Mauer verstärkt. Betritt man heute den Turm, so kommt es einem vor, als würde sich auch heute noch ein Gefangener unter dem 1711 eingezogenen Gewölbe mit sogenanntem Angstloch befinden. Möglich macht’s ein Tonband, das flehende Hilferufe abspielt. In der Historie des Turms als Gefängnis muss es wohl Fluchtversuche gegeben haben, wie bei Untersuchungen gefundene Schäden am Mauerwerk zeigten.  Vom zweiten Rundturm ist heute nur noch ein Stumpf vorhanden. Auch das ursprünglich dazwischen gelegene Gebäude, der lange Stall, ist nach einem Brand bis auf die Grundmauern verschwunden. 

Neben dem Garten im Zwinger ist südwestlich des Bergfrieds eine weitere Gartenanlage, der Altangarten, vorhanden. Auch dieses Gelände wurde als Standfläche für Geschütze aufgeschüttet und später dann als Nutz- und Ziergarten angelegt. Die Bezeichnung Altangarten geht auf das aus dem Lateinischen stammende Wort „altus“ für hoch zurück und beschreibt eine Hochterrasse. Der nach dem Abgang der hessischen Administration im Jahre 1763 verfallene Garten wurden 2006 nach barocken Vorbildern rekonstruiert. 

Ready to visit?

  • Die Burg befindet sich heute im Besitz der Stadt Eppstein und kann gegen eine Gebühr besichtigt werden. Im Eintrittspreis ist auch der Besuch des Burgmuseums inkludiert, das in der ehemaligen Kirche untergebracht ist und Exponate zur Historie der Burg zeigt.
    Achtet bei der Planung eures Besuchs unbedigt auf die abweichenden Öffnungszeiten von Burg und Museum!
  • Ihr könnt euch auf dem Gelände frei bewegen, auch der Bergfried ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich.
  • Auf dem Burggelände sind Toiletten, aber keine Wickelmöglichkeiten vorhanden.
  • Hunde sind auf dem Gelände gestattet.
  • Im August findet das kostenpflichtige jährliche Eppsteiner Burgfest statt. 

Öffnungszeiten

April - Oktober
Di -Do, Sa-So: 10.00-17.00 Uhr, Fr: 10.00-18.00 Uhr
Burgmuseum:
Fr: 15.00-18.00 Uhr, Sa: 14.00-17.00 Uhr, 
So und Feiertag: 11.00-17.00 Uhr

November - März
Sa-So: 10.00-15.00 Uhr
Burgmuseum:
Sa-So und Feiertage: 12.00-15.00 Uhr

 

Eintrittspreis

Eintrittspreis (Burg & Museum):


Erwachsende: 5,00 Euro, 
reduziert: 2,50 Euro

Adresse

Burg Eppstein
Auf der Burg 1, 
65817 Eppstein

Parkplätze stehen an der Rossertstraße und am Bahnhof zur Verfügung.

 

 

 

 

Literatur & Quellen

  • Biller, Thomas: Burgen im Taunus und im Rheingau. Ein Führer zu Geschichte und Architektur, Regensburg 2008.
  • Knappe, Rudolf: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, 2. Auflage Niestetal 1995.
  • Krüger-Verlag (Hrsg.): Die deutschen Burgen und Schlösser in Farbe. Burgen, Schlösser, Festungsanlagen, Herrenhäuser und Adelspalais in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West), Frankfurt am Main 1987.
  • Müller, Rolf (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990.
  • Ottersbach, Christian: Frankfurt & Rhein-Main. Burgen und Schlösser in und um Aschaffenburg, Darmstadt, Mainz, Taunus und Wetterau, Petersberg 2010.
  • Taunus Club (Hrsg.): Die Burgen und Wehrbauten im Taunus und im unteren Lahngebiet. Band I. Östlicher Taunus und östliches Lahngebiet. Beilage zum Jahresbericht des Taunus Clubs für 1896, Frankfurt am Main 1897.
  • Wietzorek, Paul: Die schönsten Burgen in Deutschland, Petersberg 2018.
  • Beschilderung vor Ort (2026-04-17)
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