


Burg Reifenberg
Die höchste Burg im Taunus
Die Burg Reifenberg ist heute zwar eine Ruine, doch muss sie auf einem teils felsigen Gipfel gelegen, einst einen eindrucksvollen Anblick geboten haben und dominierte eine damals kaum bewaldete Gegend im nordöstlichen Taunus. Nach heutigen Berechnungen wies die Burg einst eine ummauerte Fläche von 25.000 Quadratmeter auf.
Historischer Abriss
Urkundlich belegt ist die Höhenburg ab 1331, ein Ritter Cuno von Reifenberg findet aber bereits etwa 100 Jahre früher Erwähnung. Eine genaue Datierung des Burgenbaus ist heute nicht mehr möglich. Die Literatur bietet verschiedene Theorien, die eine Verbindung zur nur wenige Kilometer entfernten Burg Hattstein sehen. Einer These nach bewohnten die Reifenberger zunächst Burg Hattstein, und Burg Reifenberg entstand, als diese zu klein und eine größere Anlage benötigt wurde. Ein anderer Ansatz sieht Burg Hattstein als die jüngere Burg, die Hatto von Reifenberg erbauen ließ, um beiden Söhnen ein gleiches Erbe zu hinterlassen.Unabhängig davon welche Burg nun zuerst erbaut wurde, wird der Ursprung des Adelsgeschlechtes in der Gegend zwischen Limburg und dem Westerwald vermutet.
Die Reifenberger waren ein konfliktfreudiges Geschlecht und über Jahrhunderte in verschiedene Fehden und Kriege verwickelt. Im Jahr 1374 kämpften sie erfolgreich gegen Philipp VI. von Falkenstein und setzten diesen auf Burg Reifenberg gefangen, wo er wenig später schwer verwundet starb. Auch mit den Reichsstädten Friedberg und Frankfurt sowie der Stadt Limburg kam es trotz geschlossener Bündnisse immer wieder zu Kontroversen, die vor allem in den häufigen Übergriffen auf umherreisende Kaufleute ihren Ursprung hatten.
Ab 1330 war die Anlage eine Ganerbenburg, und wurde von mehreren Familien bewohnt. Für das Jahr 1384 sind insgesamt sogar 33 verschiedene Familien belegt. In den Folgejahren konnten die Reifenberger sich jedoch gegen die übrigen Ganerben durchsetzen und die Burg wieder in ihren alleinigen Besitz bringen. Rund 200 Jahre (1584) später gipfelte dann ein Konflikt zwischen den beiden Linien der Reifenberger (Weller & Wetterauer Linie) in einem Mord an einem Familienmitglied und der Ächtung von Friedrich von Reifenberg, der Burg und Dorf niederbrennen ließ. Auch wenn die Familienstreitigkeiten bis ins 17. Jahrhundert andauerten, wurde die Burg um 1620 nochmals ausgebaut und die Herren von Reifenberg durch König Mathias in den Reichsfreiherrenstand erhoben (1613). Im Dreißigjährigen Krieg wurde die wahrscheinlich bereits beschädigte Burg aufgrund ihrer strategischen Bedeutung mehrfach durch niederhessische und kaiserliche Truppen eingenommen und zerstört.
Im Jahr 1443 wurde mit dem damaligen Erzbischof von Mainz ein Vetrag zum Öffnungsrecht geschlossen. Rund 200 Jahre später (1655) wurde auf Grundlage dessen die Burg durch den amtierenden Erzbischof Johann Philipp von Schönborn militärisch bestzt. Der daraus resultierende Konflikt endete mit der Festsetzung Ludwigs von Reifenberg. Ihm wurden vermeintlichen Straftaten zur Last gelegt, die zu einer Verurteilung führten. Erst mit dem Westfälischen Frieden erhielten die Reifenberger ihre Burg zurück. Trotz einer weiteren Reparatur im Jahr 1675 war der Untergang der Burg Reifenstein im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) besiegelt. Aus Angst vor einem französischen Angriff wurde die Anlage Ende der 1680er Jahre auf mainzischen Befehl hin vorsorglich geschleift.
Nach dem Tod des letzten Vertreters Philipp Ludwig von Reifenberg im Jahr 1686 übernahm zwar dessen Neffen Casimir Ferdinand Adolf von Bassenheim die Herrschaft, musste sie aber bis zur Tilgung der bestehenden Schulden bis 1726 mit Kurmainz teilen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging die Burg in den Besitz der Nassauer über. Da die Steine als Baumaterial zweckentfremdet wurden, war zu diesem Zeitpunkt von der Anlage bereits nicht mehr viel mehr vorhanden als das, was wir auch heute noch besichtigen können.
Die Burgruine ist heute eine Liegenschaft der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens und kann besichtigt werden.
Beschreibung der Anlage
Charakteristisch für die heutige Anlage Reifenstein ist das Ensemble von Bergfried und Wohnturm. Ersterer maß 25 Meter (heute 23 Meter) und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er ist auf der höchst gelegenen Stelle positioniert und war einst wohl mit der Schildmauer verbunden. In nördlicher Ausrichtung ist ein Hocheingang vorhanden. Der runde Turm war in der Vergangenheit mit einem schlankeren Aufsatz über dem Rundbogenfries als Butterfassturm angelegt.
Der rechteckige und sechsgeschossige Wohnturm weist mit seiner sehr schlanken Erscheinung eine ungewöhnliche Form auf. Die Wendeltreppe ist nach Norden ausgerichtet und grenzt an verschieden große Kammern. Die übrigen Räumlichkeiten des etwa 19 Meter hohen Turms aus dem 14. Jahrhunderts maßen nicht mehr als 15 m3 und waren mit lediglich einem Fenster in südlicher Richtung ausgestattet. Aufgrund dieses sonderbaren Grundrisses gibt es in der älteren Literatur Zweifel an der tatsächlichen Nutzung zum Wohnen (Knappe 1995). Eine Erklärung bietet die jahrhundertelange Nutzung als Ganerbenburg, bei der eine enge Bebauung recht häufig vorkam. Eine hohe Anzahl an Ganerben und eine begrenzte Fläche führen zwangsläufig zu unkonventionellen Bebauungen. Hier wird der Wohnturm wohl zwischen weiteren, heute nicht mehr vorhandenen Gebäuden gebaut worden sein. Es wird in östlicher Hanglange sogar noch ein weiteres Wohngebäude vermutet, von dem heute keine Reste mehr erhalten sind. Unterhalb des Wohnturms ist der Eingang eines Gewölbes zu erkennen. Dieser ist heute abgesperrt und kann nicht besichtigt werden.
Ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammt eine 4,5 dicke Mauer, die zwei Rundtürme verbindet. Auch bei diesem Burgelement sind verschiedene Interpretationen in der Literatur zu finden. Die Mauer wird häufig als Schildmauer benannt. Biller 2008 sieht hierin eine Fehlinterpretation, die in der erstaunlichen Dicke bzw. Höhe begründet ist. Nach seiner These handelt es sich dabei um einen Rest des Zwingers, der die Kernburg begrenzte und einst drei weitere Rundtürme aufweist. Die Imposanz der Mauer deutet er hingegen als Verteidigungsmaßnahme in der frühen Feuerwaffenzeit.
In Südosten der Burganlage ist die sogenannte Pulverkammer zu finden. Diese aus dem 16. Jahrhundert stammende Bastion wurde vollständig aus dem Felsen geschlagen, weist 3 Schießschartenlöcher auf und ist Teil der letzten Verteidigungsanlage in dieser Richtung. Direkt unterhalb befindet sich ein tiefer Graben.
Da es großflächige Veränderungen im Gelände gab, konnten die Mauern und Gebäudestrukturen nur anhand alter Pläne zugeordnet werden, die glücklicherweise erhalten geblieben sind.
Ready to visit?
- Die Burg ist sich heute eine Liegenschaft der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens und kann jederzeit kostenfrei besichtigt werden.
- Ihr könnt euch auf dem Gelände frei bewegen, der Wohnturm ist samstags, sonntags und an Feiertagen von 9.00-18.00 Uhr geöffnet und kann bestiegen werden.
- Auf dem Burggelände sind keine Toiletten vorhanden.
- Hunde sind auf dem Gelände gestattet.
- Der Burgverein Reifenberg e.V. bietet jährliche Veranstaltungen wie die Gruselnacht an.

Öffnungszeiten
Die Burgruine ist jederzeit frei zugänglich.
Eintrittspreis
Die Burgruine ist kostenfrei zugänglich.
Adresse
Burgruine Reifenberg
Schlossstraße 14
61389 Oberreifenberg /
Schmitten im Taunus
Wenige Parkplätze stehen im Ort zur Verfügung.
Literatur & Quellen
- Biller, Thomas: Burgen im Taunus und im Rheingau. Ein Führer zu Geschichte und Architektur, Regensburg 2008.
- Maresch, Hans & Maresch, Doris: Hessens Schlösser und Burgen, Husum 2005.
- Müller, Rolf: Schlösser, Burgen, alte Mauern. Hessen Dienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1991.
- Knappe, Rudolf: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, Gudensberg-Gleichen 2. Auflage 1995.
- Krüger-Verlag (Hrsg.): Die deutschen Burgen und Schlösser in Farbe. Burgen, Schlösser, Festungsanlagen, Herrenhäuser und Adelspalais in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West), Frankfurt am Main 1987.
- Ottersbach, Christian: Frankfurt & Rhein-Main. Burgen und Schlösser in und um Aschaffenburg, Darmstadt, Mainz, Taunus und Wetterau, Petersberg 2010.
- Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. (Hrsg.): Große Residenzen, romantische Entdeckungen, versteckte Schönheiten. Ein Reiseführer zu Deutschlands schönsten Schlössern, Burgen und Gärten, Regensburg 2007.
- Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. (Hrsg.): Große Residenzen, romantische Entdeckungen, versteckte Schönheiten. Ein Reiseführer zu Deutschlands schönsten Schlössern, Burgen und Gärten, Regensburg 2007.
- Staatliche Schlösser und Gärten Hessen (Hrsg.): Hessen entdecken. Schlösser, Burgen, Klöster, Gärten, Petersberg 2001.
- Taunus Club (Hrsg.): Die Burgen und Wehrbauten im Taunus und im unteren Lahngebiet. Band I. Östlicher Taunus und östliches Lahngebiet. Beilage zum Jahresbericht des Taunus Clubs für 1896, Frankfurt am Main 1897.
- Beschilderung vor Ort (2020-08-11; 2023-04-06)









