Itterburg

Hessische Burg in schwedischer Hand

Historie

Im Tal der Itter, einem etwa 12 Kilometer langen Fluss mit Mündung im Edersee, befinden sich nördlich des Ortes Thalitter auf einem gestreckten Berggrat die Reste der Itterburg. Der im heutigen Nationalpark Kellerwald-Edersee im nördlichen Hessen liegende Standort wurde 793 als Ittera und Hauptort im Ittergau erstmals erwähnt. Das Geschlecht der Herren von Itter wurde mit Witherakdus von Itter 1058 bezeugt, welcher seinen ursprünglichen Stammsitz wahrscheinlich auf der Oberburg hatte, und kann etwa 300 Jahre bis 1356 urkundlich nachgewiesen werden. 

Eine weitere Erwähnung der Burg ist für 1126 bekannt, als die Schwestern Riclint und Friderun die Burg mit Markt, Zoll und den angrenzenden Allodien dem Abt Erkenbert vom Kloster Corvey zu Lehen auftrugen, und sich selbst damit zwar zu Vasallen machten, den Besitz aber in den Schutz des mächtigeren Lehnsherrn stellten.

Ende des 13. Jahrhunderts erhielt Landgraf Heinrich I. von Hessen das Öffnungsrecht für die Itterburg aus den Händen Heinrichs III. von Itter, der dafür das Burglehen erhielt. Auch dem Enkel des hessischen Landgrafen, Heinrich II. von Hessen, wurde 1337 das Öffnungsrecht gewährt. Nur fünf Jahre später folgte das Öffnungsrecht für den Erzbischof Heinrich II. von Mainz und seinen Nachfolgern, gewährt durch Heinemann II. von Itter. Dies galt gegen die Feinde der Mainzer, der hessische Landgraf Heinrich II. war jedoch davon ausgenommen. 

Um ausreichend Personal zum Schutze der Burg stellen zu können, wurde die Itterburg durch den Einbezug der drei weiteren Adelsfamilien Löwenburg, Schweinsberg und Westerburg verstärkt und war von nun an eine Ganerbenburg, für die im Jahr 1355 ein Burgfriede dokumentiert ist. Dieser bezog sich auf das Große Haus zu Itter, den Turm, das Löwensteinsche Haus sowie die Steuerburg.

Mit dem Tod von Heinemann III. von Itter im Jahre 1356 starb das Hauptgeschlecht aus. Der letzte Herr von Itter soll von einem von der Obernburg stammenden Neffen erschlagen worden sein. Mit seinem Tod übernahmen zunächst Hessen und Mainz die Herrschaft Itter, bevor die Wölfe von Gutenberg als Nebenlinie die Herren von Itter stellten. Der Untergang der Burg wurde vermutlich mit dem Dreißigjährigen Krieg eingeleitet, in dem die Burg zerstört wurde und kein Wiederaufbau stattfand. 

Ende des 16. Jahrhunderts war die Herrschaft in hessischer Hand. Später wechselte die Anlage in den Besitz der Familie des Berginspektors Müller von Thalitter, der sie weiter veräußerte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kaufte das 1809 abgesetzte schwedische Königspaar Gustav und Frederika die ruinöse Itterburg, so dass die Königsfamilie, mittlerweile in der Schweitz lebend, den Inkognitonamen Graf von Itter nutzen konnte. Der Besitz war jedoch nicht nur symbolischer Natur, denn 1820 wurden umfangreiche Ausgrabungsmaßnahmen vor Ort vorgenommen. Im Jahr 1951 wechselte die Itterburg in Gemeindebesitz. Die Mauerreste der Anlage wurden freigelegt und restauriert. Heute ist die Ruine frei zugänglich und kann eigenständig erkundet werden.

 

Beschreibung der Anlage

Bei der Itterburg handelt es sich um eine Kastellburg, die mit einem tiefen Halsgraben vom Hang abgetrennt war. Ein ovaler Bering umgab den quadratischen Hauptturm, der möglicherweise als Wohnturm genutzt wurde. Die Existenz eines Bergfrieds wird in der Literatur, auch unter Einbezug alter Ansichten, kontrovers beschrieben. Am Fuße des Hopfenbergs, nahe der Itterburg, wurde im Jahr 1350 durch die Brüder Heinemann III. und Adolf von Itter eine Kapelle errichtet. In südlicher Richtung unterhalb der Hauptburg lag der bereits 1579 abgebrochene Löwensteinsche Burgsitz. Das Gelände ist heute eingeebnet. Vorhanden sind heute noch Reste des mehrstöckigen Hauptturmes und verschiedene Mauerstrukturen. 

Zum Ensemble der Itterburgen gehörten ebenfalls die jüngere Steuerburg, die zunächst als Vorwerk der Itterburg und später mit Turm, kleinem Steinhaus und Graben als eigenständige Burg galt und die ältere Obernburg auf dem Weisenstein. Beide Anlagen sind heute nicht mehr vorhanden. 

Ready to visit?

  • Die Burgruine ist im Besitz der Gemeinde Vöhl und kann jederzeit und kostenfrei besichtigt werden.
  • Es sind keine Toiletten vorhanden.
  • Hunde sind auf dem Gelände gestattet.
  • Es ist ein kurzer Aufstieg nötig. Die Abzweigung an der Straße K 29 ist ausgeschildert.

Öffnungszeiten

Die Burgruine ist jederzeit frei zugänglich.



 

Eintrittspreis

Die Burgruine ist kostenfrei zugänglich.

Adresse

Burgruine Itterburg
Zur alten Burg
34516 Vöhl-Thalitter

Parkplätze stehen im Ort Thalitter oder am Friedhof zu Verfügung.

 

 

Literatur & Quellen

  • Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I. Regierungsbezirke Gießen und Kassel, München 2008.
  • Günther, C. F.: Bilder aus der Hessischen Vorzeit. Mit 51 Tafeln Abbildungen, Darmstadt, 1853.
  • Knappe, Rudolf: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, 2. Auflage Niestetal 1995.
  • Müller, Rolf (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990.
  • Beschilderung vor Ort (15-08-2026)
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