Altes Polizeipräsidium

Ein Lost Place mitten in der Mainmetropole

Für mich waren lost places immer militärische Anlagen, Bauruinen oder verlassene Häuser, die unentdeckt und abgelegen tief im Wald verborgen liegen. Dass diese Orte aber auch gar nicht immer so isoliert und sogar mitten in einer Großstadt liegen können, war mir lange Zeit gar nicht so bewusst. Bis mich ein Betriebsausflug ins Alte Polizeipräsidium ins Gallus-Viertel nach Frankfurt führte. Unweit des Hauptbahnhofes steht das imposante Gebäude, dass im historischen Stil mit Eindrücken des Neobarocks sowie Neoklassizismus errichtet wurde von 1914 bis 2002 das Frankfurter Polizeipräsidium beherbergte. Aus Platzgründen zog die Polizei später in ein passenderes Gebäude ins Nordend um. 

Beim Betreten durch einen Seiteneingang wird schnell klar, warum Helm und Stirnlampe als Pflichtausrüstung angegeben wurde. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss liegen in völliger Dunkelheit, Strom ist hier keiner mehr vorhanden, die Fenster in der unteren Etage sind mit Brettern vernagelt, um ungebetenen Gästen den Zugang zu verwehren. Einige haben es aber wohl dennoch geschafft, Graffitis sind an vielen Wänden zu sehen, zerbrochene Fensterscheiben und abgeplatzte Farbe begegnen uns. Schnell erreichen wir den früheren Eingangsbereich mit seiner imposanten dreiläufige T- Treppe mit Viertelpodest. Es fallen trotz einsetzendem Verfall viele verspielte Details ins Auge. Bereits das Entree gibt einen Ausblick auf die ursprüngliche Idee hinter diesem Gebäude. Unübersehbar wird diese im nächsten Stockwerk. Nach einem Blick in den Sitzungssaal wird unser Fokus auf die ehemaligen Büroräume gelenkt. Überraschenderweise sind diese nicht einzeln über einen langen Flur zu erreichen, sondern schlossartig als Enfilade angelegt. Um in ein Büro im hinteren Bereich zu gelangen, mussten die vorherigen Büros passiert werden. Wer schon mal versucht hat, in einem Büro mit hoher Fluktuation, effektiv zu arbeiten, der versteht die Problematik sofort. Aber genau das ist der Punkt, das Gebäude wurde nicht auf Funktionalität geplant, sondern sollte Eindruck machen, imposant wirken und eben an ein Schloss erinnern. Das ist definitiv gelungen. Auch in diesem verlassenen, unprätentiösen Zustand wirkt die Architektur des Gebäudes auf den Besucher und erfüllt exakt den Eindruck, der für das Bauwerk einmal vorgesehen war. 

Auf die Räumlichkeiten der Beamten folgt über einen erneuten Stockwerkwechsel und dem Durchqueren einiger Flure und Sicherheitstüren die Erkundung der Zellen. Diese trostlosen kleinen Kammern enthalten eine unbequeme Bank und ganz viel Kritzeleien jener Menschen, die hier untergebracht wurden. Der gesamte Zelltrakt vermittelt ein bedrückendes Gefühl. Es liegt ein Hauch von Verbrechen und Kriminalität in der Luft. Die eigene Vorstellungskraft wird dabei ganz eindrucksvoll von den Erzählungen des Tourleiters verstärkt. Ein ehemaliger Polizeibeamter, der hier selbst noch im Dienst war, konnte spannende und interessante Einblicke in historische Kriminalfälle geben und den ganz normalen Wahnsinn im Alltag eines Polizeibeamten eindrucksvoll beschreiben, so dass am Ende zwar kein Gruselfaktor erstand, dafür aber das Gefühl blieb, einen Blick in eine völlig andere Welt werfen zu dürfen. 

Ready to visit?

  • Das Alte Polizeipräsidium kann nur im Rahmen einer geführten und kostenpflichtigen Tour betreten werden, die derzeit noch durch die Frankfurter Stadtevents veranstaltet werden.
  • Es werden durch den Veranstalter Touren mir unterschiedlichem Fokus  angeboten.
  • Ein eigenständiges Betreten des Geländes ist untersagt, und kann aufgrund von Baufälligkeit lebensgefährlich sein!
  • Es sind vor Ort keine Toiletten vorhanden.
  • Parkplätze sind im Parkhaus Skyline Plaza oder in der Tiefgarage Hauptbahnhof zu finden.
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