


Rettershof
Wo Geschichte auf Gegenwart trifft
Gutshof Rettershof - Lebendige Tradition & ländliche Idylle
Wo heute ein Vierseithof in Fachwerkbauweise aus dem 1920-30er Jahren steht, ließ Graf Gerhard von Nürings gut 700 Jahre zuvor ein Kloster errichten. Das einst dem Augustinerorden zugehörige Kloster nahm schon bald die Chorfrauen des Klosters Steinbach im Westerwald auf und beherbergte ab 1222 dann nur noch Nonnen/Ordensfrauen. Ab 1285 wurde es in ein Prämonstratenkloster umgewandelt und der Abtei Rommersdorf bei Neuwied unterstellt. Ende des 13. Jahrhunderts kam es zu einem Wechsel der Klosterherren, als die Herren von Eppstein ihr Machtgebiet erweitern konnten. Ab Mitte dieses Jahrhunderts schwand der Einfluss der Eppsteiner jedoch wieder, die sich nach Streitigkeiten 1433 in die beiden Familienlinien Eppstein-Münzenberg und Eppstein-Königstein spalteten. Bei Streitigkeiten zwischen den beiden Linien geriet das Kloster immer wieder zwischen die Fronten, was zu einem wirtschaftlichen Abstieg führte.
Rund 100 Jahre (1535) später starben die Herren von Eppstein mit Graf Eberhard IV. im Mannesstamm aus und die Herren von Stolberg erbten den Besitz infolge einer Heirat mit der Eppsteiner Grafenschwester. Unter Ludwig von Stolberg-Königstein kam es im Rahmen der eingeführten Reformation zur allmählichen Auflösung der Klöster in den angestammten Herrschaftsgebieten.
Dazu kamen die verheerenden Auswirkungen der Pest, die auch vor den Klostertoren nicht Halt machten und vielen Ordensfrauen das Leben kosteten. Das Ableben der letzten Äbtissin Anna von Riedesel im Jahre 1559 besiegelte das Schicksal des Klosters, das daraufhin aufgelöst wurde, während die verbliebenen Ordensfrauen vertrieben wurden.
Nach mehrmaligem Besitzerwechsel wurde die Anlage im Dreißigjährigen Krieg geplündert und zerstört. Bald darauf folgte der Wiederaufbau. Nach einer Zeit unter den Kurfürsten von Mainz kam Retters zu Beginn des 19. Jahrhunderts an die Herzöge von Nassau, denen sich 1866 die Könige von Preußen anschlossen. Rund 20 Jahre später erwarb Frederik Arnold Rodewald zu Feldheim das Anwesen und erweiterte es 1885 durch ein im Stil der englischen Neugotik gehaltenem Schloss für seine Tochter und den Schwiegersohn Baron von Dieskau. Der mittlerweile als Gut genutzte Rettershof wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Friedrich Freiherr von Vincke und seiner Gattin Sybille erworben und kam weniger Jahre später in die Hände des Ehepaares Felix und Hertha von Richter, die nach Renovierungsmaßnahmen eine Reitschule auf dem Gelände unterbrachten und ihren Familiennamen nach ihrem neu geschaffenen Stammsitz in Richter-Rettershof änderten.
Während das Schloss nach dem 2. Weltkrieg durch die Amerikaner beschlagnahmt wurde, verblieb das Gut im Familienbesitz bis die Stadt Kelkheim 1980 das Gesamtensemble bestehend aus Hofgut, Schloss und 100 Hektar Land, der Familie abkaufte. Die Nutzung des Gutshofes als Reiterhof blieb bestehen und konnte durch eine große Reithalle ergänzt werden. Gleichzeitig finden heute regelmäßig Veranstaltungen wie Märkte oder Konzerte statt.
Der Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ wurde 1938 mit dem Ziel eröffnet, die eigenen Erzeugnisse direkt vor Ort anbieten zu können und ergänzt auch heute noch als kulinarische Komponente das Ensemble des Rettershofs als beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger.
Schlosshotel - das Tudor-Juwel im Taunus
Das als Schloss bezeichnete Herrenhaus stammt aus dem Jahr 1885 und wurde im Stil der englischen Neugotik vom Engländer Frederik Arnold Rodewald zu Feldheim, der die Gesamtanlage Rettershof im Jahr zuvor erwarb, als Wohnsitz für seine Tochter Alice und deren Ehemann, den Freiherrn von Dieskau errichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam das Anwesen zunächst in den Besitz des Freiherrn Friedrich von Vincke, bevor es das Ehepaar Felix und Hertha von Richter das Ensemble übernahm.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Schloss von den Amerikanern beschlagnahmt, war kurzzeitig Herberge für die Organisation Gehlen, dem Vorläufer der Bundesnachrichtenagentur, und wurde später verschiedenen Nutzungen zugeführt. Neben einer Fremdsprachschule mit Internat (1953-1973) war das Schloss beispielsweise Sitz der deutschen Sektion der Hindu-Sekte Hare-Krishna bis die Stadt Kelkheim im Jahr 1980 den Rettershof erwarb und damit den Grundstein für die heutige Nutzung als Schlosshotel legte. Es folgte ein Um- und Ausbau des Schlosses und 1983 die Aufnahme in das Denkmalbuch des Landes Hessen als Kulturdenkmal mit künstlerischer und historischer Bedeutung. Das Hotel konnte bereits vier Jahre nach Übernahme durch die Stadt eröffnet werden und wird nun seit 2012 durch die Pächter Daniela Schwarz und Hans-Jürgen Laumeister geführt.
Der in östlicher Richtung gelegene Anbau schließt über einen verglasten Korridor an das Schlossgebäude an. Das Schloss begeistert als vielfältig gestaltetes Gebäude, das mit Erkern und Giebeln versehen ist. Das Entrée befindet sich in einer turmähnlichen Struktur, die mit Zinnen geschmückt ist. Die für die Fassade verwendetet Hau- und Bruchsteine harmonieren miteinander und sorgen für ein stimmiges Erscheinungsbild des Schlosses. Neben der nach Süden hin ausgerichtete Freitreppe, die in den Garten des Schlosses führt, ist die Fassade mit in Sandstein gehauen Wappenschilden verziert.
Dass das Schloss Rettershof bereits in vergangener Zeit und auch beim Adel ein beliebtes Ziel im Taunus war, offenbart der Blick ins Gästebuch, das aus dem Besitz von Hedwig Freifrau von Dieskau, stammt. Neben Angehörigen der Familien von Bethmann, von Hindenburg und von Reuß waren die Prinzessinnen Louise und Victoria von Schleswig-Holstein, die preußische Erbprinzessin Charlotte und sogar Victoria von Preußen, Tochter von Queen Victoria und Ehefrau des 99-Tage Kaiser Friedrich von Preußen.
Ready to visit?
- Der Rettershof ist im Besitz der Stadt Kelkheim und verpachtet.
- Auf dem Gutsgelände ist eine Reitschule sowie das Restaurant "Der lustige Landmann" untergebracht, während das Gutshaus privat bewohnt wird.
- Das Schloss wird als Hotel betrieben und beherbergt ebenfalls ein Restaurant.
- Der Rettershof ist Ausgangspunkt für verschiedene Wandertouren und bietet einen großen Parkplatz.

Öffnungszeiten
Ein Teil des Geländes ist auch für Nicht-Gäste des Hotels oder Restaurants zu besichtigen. Die Wanderwege führen teilweise über den Hof. Klassische Öffnungszeiten gibt es nur für die Restaurants.
Adresse
Hofgut Rettershof
Rettershof 4
65779 Kelkheim (Taunus)
Schlosshotel Rettershof
Rettershof 5
65778 Kelkheim (Taunus)
Es gibt einen großen Wanderparkplatz, der direkt am Rettershof liegt. Für Gäste des Hotels steht eine eigene Parkmöglichkeit am Schloss zur Verfügung.
Literatur & Quellen
- Wietzorek, Paul & Baganz, Dorothée: Die schönsten Schlossrestaurants. Zu Gast beim deutschen Adel, Petersberg 2016.
- Müller, Rolf: Schlösser, Burgen, alte Mauern. Hessen Dienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1991.
- Taunus Club (Hrsg.): Die Burgen und Wehrbauten im Taunus und im unteren Lahngebiet. Band I. Östlicher Taunus und östliches Lahngebiet. Beilage zum Jahresbericht des Taunus Clubs für 1896, Frankfurt am Main 1897.
- https://kelkheim.de/_rubric/index.php?rubric=DE+Freizeit+Freizeitmoeglichkeiten+Rettershof
(Stand: 01.10.2026)






